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Sonderfall

Messie-Wohnung räumen lassen

Zuletzt geprüft am 15.8.2026 · 6 Minuten Lesezeit

Eine stark vermüllte Wohnung ist kein normaler Räumungsauftrag. Sie verlangt Schutzausrüstung, andere Entsorgungswege und, das ist der wichtigere Teil, einen Umgang mit den Menschen, die dort leben.

Wann von einer Messie-Wohnung gesprochen wird

Der Übergang ist fliessend. In der Praxis geht es um Wohnungen, in denen Zugangswege verstellt sind, Abfall über längere Zeit nicht entsorgt wurde und dadurch hygienische Probleme entstanden sind: Schimmel, Ungeziefer, Geruchsbelastung, teilweise Schäden an der Bausubstanz.

Zwanghaftes Horten ist als Störung anerkannt und keine Frage von Faulheit oder Charakter. Das ist nicht nur eine Höflichkeitsformel, sondern hat praktische Folgen: Eine Räumung gegen den Willen der betroffenen Person löst das Problem in der Regel nicht dauerhaft. Wo es geht, gehört eine Beratungsstelle vor die Räumungsfirma.

Wo es Hilfe gibt

Bevor es um die Räumung geht: Für Betroffene und Angehörige gibt es Anlaufstellen, die nichts mit Entsorgung zu tun haben. Sozialpsychiatrische Dienste der Kommunen, Betreuungsvereine, Suchtberatungsstellen und die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 beraten kostenfrei und vertraulich. Hausärzte können an geeignete Stellen weiterverweisen.

Wenn eine gesetzliche Betreuung besteht, läuft die Beauftragung ohnehin über die Betreuung.

Wie die Räumung abläuft

Besichtigung. Sie ist hier keine Option, sondern Voraussetzung. Der Betrieb muss den Verschmutzungsgrad, den Zustand von Böden und Wänden und mögliche Schädlinge einschätzen.

Schutzmassnahmen. Das Team arbeitet mit Schutzanzügen, Handschuhen und Atemschutz. Bei Schimmel oder Fäkalien kommen Vollmasken dazu. Diese Ausrüstung ist der Grund, warum die Arbeit langsamer geht und mehr kostet.

Räumung in Schichten. Anders als bei einer normalen Wohnung wird lagenweise abgetragen. Wertsachen und Dokumente finden sich erfahrungsgemäss verteilt im Material, deshalb wird gesichtet statt geschaufelt.

Schädlingsbekämpfung. Bei Befall wird ein Fachbetrieb hinzugezogen, oft vor der eigentlichen Räumung. Das ist ein eigener Auftrag mit eigener Rechnung.

Desinfektion und Geruchsneutralisierung. Nach der Räumung werden Böden und Wände desinfiziert. Gerüche sitzen in Estrich, Putz und Tapete. In hartnäckigen Fällen hilft nur, Bodenbeläge und Tapeten zu entfernen.

Bausubstanz. Nicht selten zeigen sich erst nach der Räumung Schäden: durchfeuchteter Estrich, verrottete Dielen, beschädigte Sanitärleitungen. Das ist dann ein Sanierungsfall und kein Räumungsfall mehr.

Kosten

Üblich sind 1.500 bis 8.000 Euro. Der Aufschlag gegenüber einer normalen Räumung entsteht durch Schutzausrüstung, längere Arbeitszeit, höhere Entsorgungsmengen und Sonderabfälle.

Nicht enthalten sind meist:

  • Schädlingsbekämpfung, 300 bis 1.500 Euro
  • Entfernen von Bodenbelägen und Tapeten, nach Fläche
  • Trocknung und Sanierung bei Feuchteschäden
  • Malerarbeiten

Lassen Sie sich diese Positionen einzeln ausweisen. Ein Pauschalpreis, der alles abdecken soll, wird bei diesen Fällen fast immer nachverhandelt.

Diskretion

Seriöse Betriebe fahren auf Wunsch ohne Firmenaufdruck vor, arbeiten ohne Aufsehen und sprechen nicht mit Nachbarn. Fragen Sie danach, bevor Sie beauftragen. Für viele Betroffene ist das der Punkt, an dem eine Räumung überhaupt möglich wird.

Wenn der Vermieter drängt

Bei drohender Kündigung oder Räumungsklage ist der Zeitdruck real. Auch dann gilt: Eine Räumung ohne Einbindung der betroffenen Person ist rechtlich heikel und praktisch selten von Dauer. Wo Betreuung, Sozialdienst oder Mieterverein eingeschaltet werden können, sollten sie es sein, bevor der Termin steht.

Mehr zum Leistungsumfang steht unter Messie-Entrümpelung.

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